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Modernisierungsverlierer, Postdemokratie oder Cultural Backlash? Ein integrativer Ansatz drei konkurrierender Thesen zur Erklärung der Wahlpräferenz zugunsten der AfD

Fischer, Jannik M. K.; Farren, Diego

Der rechtsautoritäre Populismus ist mittlerweile eine feste Größe in den politischen Systemen Europas geworden. Im Falle Deutschlands feiert mit der AfD eine besonders radikale Vertreterin dieses Phänomens zunehmend Wahlerfolge von der kommunalen bis zur Bundesebene – trotz aller Kontroversen und der Einstufung mehrerer Landesverbände und des Bundesverbands als „gesichert rechtsextrem“ durch die zuständigen Behörden des Verfassungsschutzes. 
Als Erklärungsansätze für die Erfolge rechtspopulistischer Parteien in westlichen Demokratien werden vornehmlich drei Hypothesen angeführt: die der Modernisierungsverlierer, der Postdemokratie und des Cultural Backlash. Die Hypothese der Modernisierungsverlierer besagt, dass der objektive und subjektive sozioökonomische Status die wichtigsten Erklärungsfaktoren für die Unterstützung rechtspopulistischer Akteure sind. Die Hypothese der Postdemokratie besagt, dass eine wachsende Entfremdung zwischen politischen Eliten und den Bürgerinnen und Bürgern sowie die Aushöhlung demokratischer Normen der zentrale bedingende Faktor für den Zulauf rechtspopulistischer Parteien darstellt. Die Hypothese des Cultural Backlash geht davon aus, dass die Unterstützung für Rechtspopulisten hauptsächlich auf die Ablehnung des kulturellen Wandels, insbesondere im Zusammenhang mit verstärkten Migrationsbewegungen und einer wahrgenommenen fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft, zurückzuführen ist.
In unserem Vortrag werden diese drei Erklärungsansätze mithilfe der General Strain Theory (GST) in ein gemeinsames theoretisches Modell eingeordnet und hinsichtlich ihrer Vorhersagekraft in Bezug auf die Wahlabsicht zugunsten der AfD geprüft. Dabei zeigen wir, dass der Cultural Backlash den stärksten Effekt auf die Unterstützung der AfD auslöst, aber auch, dass sowohl sozioökonomische Deprivation als auch postdemokratische Entfremdungsprozesse eine Rolle spielen – allerdings, indem sie indirekt über kulturelle Bedrohungsgefühle vermittelt werden.

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